Leinen los für das neue Spielschiff: Ein Festtag für Freimersheims Kinder | Aktuelle Nachrichten und Informationen

Wenn die Gemeinde an finanzielle Grenzen stößt, springen die Bürger ein: Nicht zuletzt durch den tatkräftigen Einsatz der „IG Spielplatz“ steht auf dem Spielplatz am Turnplatz nun ein brandneues Kletterschiff zum Entern bereit. Doch die Einweihung war nicht nur ein Fest für die Kinder, sondern auch der Abschied einer traditionsreichen Dorfgemeinschaft – und der Startschuss für ein neues Ehrenamtsprojekt.

Leinen los für das neue Spielschiff: Ein Festtag für Freimersheims Kinder

Strahlender Sonnenschein, fröhliches Kinderlachen und ein Hauch von Abenteuer lagen in der Luft, als am vergangenen Wochenende der Spielplatz am Turnplatz in Freimersheim Schauplatz eines ganz besonderen Ereignisses wurde: Das lang ersehnte neue Spielschiff wurde offiziell eingeweiht und sogleich von den jüngsten Einwohnern der Gemeinde begeistert in Beschlag genommen.

Die Einweihung war eingebettet in ein ereignisreiches Wochenende für die Ortsgemeinde, an dem auch die zweite Auflage des beliebten Dorfflohmarkts stattfand und der jährliche Seniorennachmittag im Bürgerhaus vor der Tür stand. Doch der absolute Höhepunkt, da waren sich alle einig, stand glänzend mitten auf dem Spielplatz. Ortsbürgermeister Thomas Dix brachte es in seiner Eröffnungsrede auf den Punkt: „Gestern hat der TÜV noch seinen Segen gegeben, das Schiff ist also fertig zum Entern.“

Langer Weg mit bürokratischen Hürden

Dass das neue Schmuckstück nun endlich bespielt werden kann, ist das Ergebnis eines langen Atems. Mehrere Jahre hatte der Gemeinderat die Investition vor sich hergeschoben – nicht aus mangelndem Interesse am Nachwuchs, sondern aus rein finanziellen und bürokratischen Gründen. Zwar standen im Haushalt der Gemeinde 15.000 Euro bereit, um das in die Jahre gekommene alte Spielgerät zu ersetzen, doch im öffentlichen Raum gelten andere Spielregeln als im privaten Garten.

„Als Privatmann hat man es leicht“, erklärte Dix den interessierten Bürgern. „Man schaut in einem Geschäft oder im Internet nach einem passenden Spielgerät, bestellt es zu einem attraktiven Preis und montiert es.“ Für eine Gemeinde hingegen rufe ein Spielgerät auf einem öffentlichen Platz ein Vielfaches dieser Summe auf. Die Gründe dafür sind streng: Das Gerät muss für den öffentlichen Gebrauch zugelassen und extrem robust sein, zudem muss die Installation durch eine Fachfirma erfolgen. In Zeiten knapper Kassen eine Mammutaufgabe für eine kleine Gemeinde wie Freimersheim.

Die „Interessengemeinschaft Spielplatz“ als Brandbeschleuniger

Der entscheidende Wendepunkt kam durch die Bürger selbst. Die neu gegründete „Interessengemeinschaft (IG) Spielplatz“ erwies sich als wahrer Segen für das Projekt. „Das Engagement der Eltern, die sich in der IG zusammengeschlossen haben, wirkte quasi als Brandbeschleuniger für das Vorhaben“, lobte der Ortsbürgermeister unter großem Applaus der Anwesenden.

Über Monate hinweg sammelten die engagierten Eltern unermüdlich Spenden, verkauften Kuchen beim Neujahrscafé und bewirteten die Gäste des Dorfflohmarkts, um den Traum vom Spielschiff wahr werden zu lassen. Sogar Hand legten sie an: Im vergangenen Jahr demontierten die Mitglieder der IG in Eigenleistung das marode alte Klettergerüst. Durch diesen tatkräftigen Einsatz beflügelt, stockte der Gemeinderat das Budget schließlich auf und gab die Ausschreibung frei.

Ein besonderer Dank der Gemeinde ging an den Ersten Beigeordneten Martin Klenner. Er investierte viele Stunden ehrenamtlicher Arbeit und „so manche Schweißperle“, um die exakten Vorstellungen der IG – ein Schiff mit Kettenbrücke und Rutsche – in eine präzise Ausschreibung zu gießen, bis die Angebote der Firmen endlich vorlagen.

Rundum-Erneuerung für den Spielplatz

Trotz einiger krankheitsbedingter Verzögerungen bei der ausführenden Firma ist das Ergebnis nun mehr als sehenswert. Die Ortsgemeinde nutzte die Gunst der Stunde für eine Generalüberholung des gesamten Areals: Nicht nur das Schiff erhielt den nötigen Fallschutz, auch bei den übrigen Geräten wurde er ausgetauscht. Die durch die Baggerarbeiten entstandene „Schotterwüste“ wurde mit neuem Split für die Wege und frisch gepflanzten Büschen wieder in eine Wohlfühloase verwandelt.

Zusätzlich darf sich der Spielplatz über eine brandneue Sitzgruppe freuen. Diese wurde, zusammen mit weiteren Bänken im Gemeindegebiet, von der „Interessengemeinschaft Obergasse“ gespendet. Ein Abschiedsgeschenk mit Wehmut: Die IG Obergasse, die über Jahrzehnte das dörfliche Leben und die Kerb in Freimersheim geprägt hat, hat sich altersbedingt aufgelöst, wollte ihre Vereinskasse zum Abschied jedoch einem letzten guten Zweck im Ort zukommen lassen.

Ein „Dornröschen“ wartet auf Helfer

Ein kleiner Wermutstropfen bleibt: Das alte Karussell am Rande des Platzes befindet sich derzeit noch im „Dornröschenschlaf“. Die Gemeinde hat sich bewusst gegen eine Entsorgung entschieden, da es technisch einwandfrei ist. Nun wird gehofft, dass sich im Ort eine Privatperson oder eine Firma findet, die ehrenamtlich ein wenig Herzblut investiert, um das Metall abzuschleifen, neu zu lackieren und das Holz aufzufrischen.

Nach einer feierlichen Spendenübergabe durch die IG Spielplatz, die 3.500 Euro für das Projekt zur Verfügung stellte, und einem gemeinsamen Anstoßen auf das gelungene Projekt hieß es dann endlich freie Fahrt für die Freimersheimer Jugend. Thomas Dix schloss mit den erlösenden Worten: „Liebe Kinder, es ist soweit: Das neue Spielgerät gehört euch – viel Spaß damit.“